"Madame Dubarry"

Freitag, 24. September • 1930 • St. Johannis

Stummfilm (1919) von Ernst Lubitsch (1892‒1947) mit Begleitung durch Anna Vavilkina (Orgelimprovisation)
 
Wenn ein deutscher Regisseur ein Jahr nach dem 1. Weltkrieg einen Film über die französische Revolution dreht und die französische Kritik begeistert ist: dann muss es ein internationaler Erfolg sein!
Wir zeigen den Stummfilm "Madame Dubarry" von Ernst Lubitsch nicht stumm, sondern mit Orgel-Begleitung, so wie vor 100 Jahren üblich, gespielt von Anna Vavilkina, die am Berliner "Babylon" die einzige festangestellte Kinoorganistin Deutschlands ist.


Der Film basiert auf realen Geschehnissen und Personen in Paris in der Zeit vor der Französischen Revolution:
Die ebenso arme wie hübsche Jeanne ist Angestellte in einem Mode-Salon und mit dem Studenten Armand de Foix zusammen. Dennoch lässt sie sich auf Liebschaften zunächst mit einem spanischen Gesandten und dann mit dem Grafen Dubarry ein ‒ Armand wird bei einem Duell um sie verhaftet.

Der verschuldete Graf Dubarry lässt sie eine Bittschrift an den Königshof überbringen, die zwar abgelehnt wird, durch die Jeanne allerdings Bekanntschaft mit König Ludwig XV. macht, der ihren Reizen nicht widerstehen kann. Um sie bei Hof einführen zu können, lässt Ludwig XV. sie mit dem Bruder von Graf Dubarry verheiraten. Als Gräfin Dubarry und Maitresse des Königs wird Jeanne zur mächtigsten Frau Frankreichs.

Auf ihre Fürsprache hin wird Armand freigelassen, der sich allerdings durch die grassierende Armut und die Gewalt gegen die Bevölkerung radikalisiert, zum Anführer einer Gruppe wird und erneut festgenommen wird. Herzog von Choiseul als ein Gegenspieler Madame Dubarrys hofft darauf, dass Armand sich an ihr rächen wird und verhilft ihm zur Freiheit.
Als Ludwig XV. stirbt, wird Madame Dubarry des Hofes verwiesen. Die Revolution beginnt, sie wird festgenommen und von einem Tribunal, bei dem Armand den Vorsitz hat, zum Tode verurteilt. Armand liebt sich immer noch, will sie befreien und wird dabei selbst getötet. Madame Dubarry stirbt auf dem Schafott.

Dieser Film ist ganz großes Kino: mit opulenter Ausstattung, großem Star-Aufgebot, gekonnt inszenierten Massen. Es ist eine feinfühlig erzählte Liebes-Geschichte mit dramatischem Ende ebenso wie ein Historienfilm über eine dekadente Gesellschaft und einen am Boden liegenden Staat: kein Wunder, dass der Film ein Jahr nach dem Ende des 1. Weltkriegs die argwöhnische Beobachtung der franzö-sischen Kritik herausforderte (ging es doch schließlich um einen Kern französischer Identität und Geschichte). Die internationale Anerkennung, die der Film schließlich hervorrief, wiegt daher umso mehr!


 

Biografie

 

Die aus Moskau stammende Organistin Anna Vavilkina studierte am Moskauer Konservatorium Musikwissenschaft und Orgel, Kirchenmusik an der Musikhochschule Lübeck und anschließend Orgelimprovisation in Detmold. Sie war Preisträgerin beim Internationalen Orgelwettbewerb in Minsk und Finalistin bei internationalen Wettbewerben für Orgelimprovisation in Deutschland und Öster-reich. Seit 2014 ist sie im Berliner Kino "Babylon" die einzige festangestellte Kinoorganistin in Deutschland. Dort steht die einzige in Deutschland am originalen Standort erhaltene Kinoorgel von 1929, die seinerzeit die größte Deutschlands war. Die Babylon-Besucher können Anna Vavilkina während der samstäglichen Reihe "Stummfilm um Mitternacht" live erleben und außerdem nahezu täglich vor dem Hauptfilm.