Orgelnacht "in blue"

Freitag, 17. September • 1930 • Konzertkirche St. Marien

Die Orgelnacht findet in der Konzertkirche statt. Drei Konzertteile werden gestaltet von den Organisten Jürgen Sonnentheil und Tobias Frank (früherer Kantor von St. Johannis Neubrandenburg) sowie dem Jazztrio Kordes-Tetzlaff-Godejohann.

Besonderes Highlight: die Rhapsody in Blue von George Gershwin in einer Fas¬sung für Jazztrio und Orgel von Olaf Kordes ‒ dabei wird der auskomponierte Ablauf wieder aufgebrochen und freie Improvisation möglich, so wie es eigentlich jazz-typisch ist.

Jürgen Sonnentheil°, Cuxhaven (Orgel) • Tobias Frank°°, München (Orgel) • Jazztrio Kordes-Tetzlaff-Godejohann°°°, Bielefeld mit Olaf Kordes (Klavier), Wolfgang Tetzlaff (Kontrabass) und Karl Godejohann (Schlagzeug)

César Franck (1822‒1890):
Choral a-Moll °

George Gershwin (1898‒1937)
Rhapsody in Blue in einer Fassung für Orgel und Jazztrio, Arr.: Olaf Kordes (* 1966) °/°°°

James Hotchkiss Rogers (1857‒1940):
Concert Ouverture in b-Moll °°


"Verwebungen aus der Alten und Neuen Welt" °°
   Philip Glass (*1937):
      Music in Contrary Motion I
   Anonymus (Spanien, 17. Jh.):
      Obra de Cuarto Tono
   Philip Glass:
      Music in Contrary Motion II
   Andrés de Sola (1634‒1696):
      Tiento de medio registro de mano derecha de 1° Tono
   Philip Glass:
      Music in Contrary Motion III
   Eduardo Torres (1872‒1934):
      Saetas IV. Píezas inspirades en el Folklore místico de Andalucía

Marcel Dupré (1886‒1971):
Deuxième Symphonie (Op. 21) °°
Preludio ‒ Intermezzo ‒ Toccata

Stefano Di Battista (*1969):
Anastasia °°°

Wilhelm Middelschulte (1863‒1943):
"Perpetuum mobile". Intermezzo (Pedal solo) aus dem Konzert über ein Thema von Bach (e-Moll-Fuge) °

Guy Bovet (*1942):
Tango de segundo tono, para los bárbaros teutonicos que pisan la música con los piés ("Tango im zweiten Ton für die teutonischen Barbaren, die die Musik mit den Füßen treten") aus den Tangos eccleciasticos ("kirchlichen Tangos") °

Johann Sebastian Bach (1685‒1750):
Brandenburgisches Konzert Nr. 5, 1. Satz Allegro (BWV 1050), Arr. Jacques Loussier (1934‒2019) °°°

Louis Vierne (1870‒1937):
Clair de Lune aus der Suite op. 53 °

Felix Mendelssohn Bartoldy (1809‒1847):
"Verleih uns Frieden". Motette nach Worten von Martin Luther °

Olaf Kordes (*1966):
Song For Peace, inspiriert durch Felix Mendelssohn Bartoldy 1831 und Martin Luther 1529 °°°


 

Biografien

 

Viele schöne Erinnerungen verbinden Tobias Frank mit der Vier-Tore-Stadt und ihren Menschen, die er in sieben sehr intensiven Jahren als Kantor an St. Johannis sammelte. 2015 zog es ihn dann zurück ins teure München, wo er seinerzeit schon studierte. Seitdem wirkt er dort mit viel Elan und Kreativität an der Kulturkirche St. Lukas, wofür er im letzten Jahr mit dem Titel "Kirchenmusikdirektor" geadelt wurde. Wer Tobias Frank kennt, kennt Marcel Dupré. Der Franzose hat es ihm angetan. Zu dessen 50. Todestag hat er das internationale – und schlafraubende – Dokumentarprojekt "Dupré Digital" auf die Beine gestellt. Unter den widrigen Umständen des zweiten Corona-Lockdowns führte er Interviews mit Musiker¬persönlichkeiten und Zeitzeugen im In- und Ausland und nahm mit vielen Akteuren bisher unentdeckte Musik auf. Reinschauen lohnt sich: www.dupre-digital.org

Olaf Kordes studierte Klassisches Klavier bei Martin Hansen (Bielefeld, Osnabrück) und Jochen Kilian (FWH Essen) sowie das Fach „Jazz Arrangement“. Seine Kompositionen und Arrangements balancieren oftmals virtuos auf der Grenze von Klassik und Jazz und erklangen bereits im Rahmen zahlreicher Konzerte und Festivals (Int. Bachwochen Thun, Haller Bachtage, Schönberger Musiksommer etc.). Seine für das Jazztrio Kordes-Tetzlaff-Godejohann konzipierten Projekte wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz in zahlreichen Konzerten realisiert. Die CD-Einspielung seiner Arrangements und Kompositionen ("heimlich, still und leise") wurde 2017 für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Reinald Hanke (NMZ) lobt das "singende, kristalline Klavierspiel" und ein "Formbewusstsein, über das man staunt". Sollte man Olaf Kordes vergeblich am Flügel suchen, so findet man ihn doch hin und wieder auf dem Rennrad vor, wenngleich erfolgloser.

Wolfgang Tetzlaff darf mit Recht als Urgestein der Biele¬felder Jazzszene bezeichnet werden. Er ist Gründungs¬mitglied der mehr als 25 Jahre alten Universitäts-Big-Band, war lange Jahre Bassist der Band Quinteto Java (um die Sängerin und heutige Gesangsprofessorin Maria de Fatima) und Begleiter zahlloser musikalischer Projekte. Im Trio ist er der ruhende, erdende Pol.

Karl Godejohann arbeitet seit 1980 als freiberuflicher Musiker und Schlagzeuglehrer. Seitdem u. a. mit den Jazz¬bands Alte Leidenschaften und Die Konferenz in Deutschland und dem europäischen Ausland erfolgreich (z. B. Berliner Jazztage, Leverkusener Jazztage, Internationales Jazzfestival Kopenhagen, Jazz à Mulhouse, Internationales Jazzfestival Münster), außerdem Preisträger des Stadtmusik-Wettbe¬werbs des WDR/Köln, 1. Preisträger Westfalen-Jazz, verschiedene CD-Veröffentlichungen, Tanz¬theater- und Schau¬spiel¬musik u. a. für das Theater¬labor Bielefeld. Darüber hinaus auch als freiberuflicher Ton¬ingenieur tätig. Seit 2006 ist er Mitglied im Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann und verleiht dem Trio mit seinem Spiel sensibel feurige Würze.

Der in Süddeutschland geborene Jürgen Sonnentheil ver¬dankt viele Impulse seinen Lehrern, u. a. Marie-Claire Alain, Gaston Litaize, Ton Koopmann und Guy Bovet, sowie Jahren als Sänger und Organist in der Rheinischen Kantorei bei Hermann Max und Jugendjahre im Windsbacher Knaben¬chor. Der Preisträger internationaler Orgelwettbe¬werbe gastiert in weiten Teilen Europas, bevorzugt mit ausgefal¬len¬en Programmen. Zahlreiche CDs und Rundfunk¬aufnahmen dokumentieren seine Arbeit. Seit über zwei Jahr¬zehnten setzt sich Jürgen Sonnentheil in Konzerten, Einspielungen und Editionen mit dem lange vergessenen Komponisten Wilhelm Middelschulte auseinander und gilt weltweit als einer der wenigen Spezialisten auf diesem Gebiet. Nach mehreren Stationen ist Jürgen Sonnentheil in Cuxhaven als Kirchen¬musiker von St. Petri sesshaft geworden. Neben der intensiven Beschäfti¬gung mit der Musik geht Jürgen Sonnentheil seinen weiteren Leidenschaften Windsurfen und dem Motorrad¬fahren (… auch zu den Konzertorten) nach, aus denen er Kraft und Ideen schöpft.